Menschen, die hier leben

Aufgenommen werden Menschen ab 18 Jahren, die in Folge schwerer Schädel-Hirn-Verletzungen, Hirnblutungen oder durch Sauerstoffmangel, z.B. im Rahmen einer Reanimation, klinisch versorgt wurden und nach einer Rehabilitation im Wachkoma pflegeabhängig sind.

Menschen in der neurologischen Rehabilitationsphase F

Die betroffenen Menschen nehmen vieles anders wahr als Gesunde. Es fällt gesunden Menschen schwer zu verstehen, dass der Betroffene Situationen und sein Umfeld anders oder gar nicht wahrnimmt.

Die schön gestaltete Blumenvase, das teure Bild an der Wand, das aufwändige Dekor im Raum - nichts von all dem erzeugt eine Reaktion bei dem Betroffenen. Aber das schwache rötliche Licht, das sich in der Kante des Fensters bricht, weckt jeden Tag auf´s Neue seine Aufmerksamkeit.

Aus diesem Grund ist das Lebensumfeld -Casa Vitae- anders definiert, es orientiert sich an den Möglichkeiten der hier lebenden Menschen, es wächst und verändert sich mit ihren Entwicklungen.

Ein Beispiel ist ein Kinderbild zum Thema "Wie ist das Leben im Wachkoma". Dieses Bild wurde von einer Bewohnerin unserer Einrichtung, die sich bisher eher mit unverständlichen Lautäußerungen mitteilt, 1/2 Stunde lang interessiert beobachtet und entlockte ihr die Äußerung"Kleines Kind".  Dies ist ein Meilenstein in Ihrer Entwicklung, Bilder sinnhaft wahrzunehmen und mit verständlichen Worten auszudrücken.

Hier war es das Bild in seiner klaren verständlichen Struktur, das den Ausschlag gab. Es ist manchmal nicht das therapeutisch gestaltete Umfeld, sondern ein Bild, das der betroffene Mensch erfassen und verstehen kann.

Das Beispiel zeigt, wie kleinschrittig Veränderungen in der Entwicklung der betroffenen Menschen sein können und wie differenziert wir Angebote und Unterstützung im Bereich Wahrnehmung und Bewegung anpassen müssen.

Hierbei helfen uns die verschiedenen Förderkonzepte wie z.B. die Basale Stimulation in der Pflege, die Kinästhetik oder das Bobath-Konzept.

Dies soll aber nicht bedeuten, dass Menschen im Wachkoma aufwändig gestaltete Begegnungen bevorzugen, oder dass die Anwendung verschiedener Förderkonzepte immer gute Erfolge bringt. Dies ist eher eine Hilfe für uns als Team, mit fremden Menschen eine vertrauensvolle Basis aufzubauen.

Für Angehörige und Freunde ist es die menschliche Seite, die den Ausschlag gibt. Wenn Sie einem Menschen nahe stehen, ist es die emotionale Ebene, die einen Kontakt ermöglicht, der Fremden unmöglich ist. Nur ein paar Worte, eine vertraute Stimme und die Nähe eines Menschen, den man mag, macht so viel Freude.

Gerade die enge emotionale Bindung hält den Menschen für Angehörige, Partner oder Freunde immer im Leben. Viele Angehörige kommen jeden Tag zu Besuch, bieten Kontakt und Nähe an, die häufig auch erwidert wird.  Nur die vergleichende Frage, "Wie lange mussten sie denn warten, bis es besser wurde?", ist schwierig.

Die einzelnen Menschen kann man nicht vergleichen. Wenn ein Bewohner nach 3 Jahren und der Andere nach vielleicht 5 Jahren so weit gefördert ist, dass er eine andere Wohnform suchen kann, ist das für jeden Einzelfall etwas Besonderes. Unsere Erfahrung ist, dass immer wieder die Frage aufkommt:

 "Wie lange dauert es, bis sich etwas verbessert?" "Sie haben gesagt, es wäre jemand nach 5 Jahren nach Hause gegangen."

Können die Veränderungen und guten Verläufe beim eigenen Angehörigen nicht gesehen werden, entsteht manchmal eine Hoffnungslosigkeit, da die "X Jahre" abgelaufen sind in denen es schon einmal jemand geschafft hat.

Tatsächlich zählt aber das eigene Erleben jedes Menschen, jeden Tag seines eigenen individuellen Lebens.

Den Willen, zu Leben, kann ich mit der Begleitung eines Menschen immer unterstützen. Schon die kleinen Reaktionen wie ein Augenzwinkern oder Veränderungen der Mimik, die Angehörige bei Besuchen als Reaktion sehen, können ein Zeichen von Nähe, Verbundenheit und dem Willen, sich mitzuteilen, sein. Es ist immer die Hoffnung da, dass jeder betroffene Mensch für sich, auf seine Art und mit seinen Möglichkeiten etwas positiv sieht und einem Angebot folgt.